Den Anfang, wo Tüpfeljunges mit den anderen Jungen spielt, finde ich noch ganz in Ordnung. Sie will Anführerin sein, die Beste in ihrem Clan, das Übliche halt. Bis die Szene mit Stachelkralle kommt, ab da hatte ich kein gutes Gefühl mehr, dass das Buch gut werden würde. Zumal ich von Blausterns Prophezeiung schon wusste, was für eine brutale Katze er war.
Ab 2. Kapitel beginnt das Buch brenzlig zu werden, denn Tüpfelpfote wird Schülerin. Ab da fangen sie und Stachelkralle an, sich immer näher zu kommen. Und ich meine gefährlich nahe! Er ist ein erwachsener Krieger, sie eine frischgebackene Schülerin! Das ist wie, als würde ein 35-jähriger Erwachsener sich an eine 12-11-jährige heranmachen. So schnell, wie er sich offensichtlich in Tüpfelpfote verliebt, frage ich mich wirklich, ob Schneepelz ihm überhaupt wichtig war?! Trauert er nicht um sie, weil sie zuvor gestorben ist?? Hat er seine "Liebe" zu ihr so schnell vergessen und damit abgeschlossen?
Wenn man nach der englischen Timeline auf der englischen Wikiseite geht, wo sogar Geburten und Tode eingetragen sind, und man mal den Altersunterschied zwischen den beiden nachrechnet, kommt man auf 15 Monde. Stachelkralle ist also 15 Monde älter als Tüpfelpfote. Als sie also Schülerin wird und 6 Monde alt ist, ist Stachelkralle 21 Monde alt. I mean, HALLO?? Das ist für Gefährten ein großer Altersunterschied finde ich. Definitiv zu groß, um sich ineinander zu verlieben.
Stachelkralle ist auch sehr manipulativ gegenüber Tüpfelpfote. Das merkt man besonders ab dem Punkt, als Tüpfelpfote wütend davonläuft und sie sich bei den Sonnenfelsen ihre Liebe gestehen. Stachelkralle will einen Liebesbeweis dafür, dass Tüpfelpfote ihn wirklich liebt und sagt ihr, dass sie ihm einfach vertrauen müsste und niemanden davon erzählen dürfte! Spätestens ab dem Punkt finde ich, hätte Tüpfelpfote sich jemanden anvertrauen MÜSSEN! Es ist ein absolutes No-Go, dass ein Krieger sich an eine junge Schülerin heranmacht, Überhaupt an eine Schülerin. Tüpfelpfote hätte wissen müssen, auf was sie sich da einlässt. Ihr hätte klar sein müssen, dass sie für Stachelkralle viel zu jung war, dass er einen Sohn und GEFÄHRTIN(!) hatte. Aber sie hat sich zu sehr mitreißen lassen.
Als sie ihn im WdF dabei sieht, wie er Hundesprung gnadenlos umbringt, und dieses gnadenlose, psychisch kranke herumgemorde und herumgekämpfe auch noch "Training" nennt, wacht sie ENDLICH auf. Sie erinnert Stachelkralle daran, dass er ihr einst gesagt hatte, dass er alles für sie tun würde, und bittet ihn darum, ihr zu versprechen, mit dem "Training" im WdF aufzuhören.
Sie stellt ihm ein Ultimatum, das er Gott sei Dank ablehnt. Auch hier finde ich, dass man wieder einmal sieht, wie Stachelkralle versucht, Tüpfelpfote zu manipulieren:
"Ich habe mein ganzes Leben darauf verwandt, der beste Krieger im DonnerClan zu werden. Und wenn du mich dabei nicht unterstützen willst, gibt es für dich keinen Platz in meinem Leben."
~ Zitat Stachelkralle | Tüpfelblatts Herz, Seite 84
Er sagt ihr also quasi, dass sie nur zusammen sein können, wenn Tüpfelpfote Stachelkralle dabei hilft, seine eigenen Pläne zu verwirklichen!? Sie soll sich also auf seine Seite schlagen, damit er das bekommt, was nur er will. An dieser Stelle bin ich froh, dass Tüpfelpfote endlich erkennt, mit wem sie es zutun hat. Wen sie dort vor sich hat. Und auf was sie sich wirklich einlässt, wenn sie Stachelkralle weiterhin vertraut.
Overall hab ich eine gemischte Meinung zum Buch. Die Story wie sie Heilerin wurde ist ganz okay, aber nicht die Sache mit Stachelkralle. Die Erins hätten eine Stelle mit einbauen müssen, in der erklärt wird, dass so eine Beziehung zwischen Schüler-Mentor nicht in Ordnung ist, wo Tüpfelpfote sich jemanden wirklich anvertraut, anstatt Stachelkralle einfach blind zu vertrauen. Ich fand die Beziehung der beiden insgesamt sehr toxisch und manipulativ dargestellt. Tüpfelpfote ist in dem Fall noch minderjährig, Stachelkralle erwachsen. So eine Beziehung in RL ist schon extrem problematisch. In dem Buch wirkt es aber so, als wäre so eine Beziehung und das Thema an sich, nicht so schlimm, wie es eigentlich dargestellt und behandelt werden müsste. Nur weil es eine Geschichte ist, sollte man solche sensiblen Themen nicht mit Samtpfoten anfassen, oder sie abgeschwächter darstellen, als sie sind.